Lektüreempfehlungen

Auf dieser Seite wollen wir Ihnen Bücher vorstellen, die wir mit Gewinn gelesen haben und denen wir viele weitere Leser wünschen.

Karin Dohrmann/Inga Böhm

Windhunde aus Spanien. Vom Jäger zum Familienhund.

Nerdlen : Kynos-Verlag, 2010. 173 Seiten. ISBN 978-3-938071-80-9

Lesen Sie hier Auszüge aus diesem Buch, verfasst von Dr. Karin Dohrmann.

Immer mehr Galgos aus Spanien landen hierzulande als Familienhunde in den Körbchen und auf den Sofas von Hundefreunden. War die Rasse vor 15 Jahren noch recht wenigen bekannt, haben sich inzwischen zahlreiche Vereine in Deutschland ihre Vermittlung zur Aufgabe gemacht. Die Kulturwissenschaftlerin Karin Dohrmann hat sich im Jahr 2010 zusammen mit der Hundetrainerin Inga Böhm der Aufgabe gestellt, ein Buch über die Tierschutz-Galgos aus Spanien zu schreiben. Dafür hat sie nicht nur die Erfahrungen mit ihren eigenen Galgos verarbeitet, sondern auch Gespräche mit vielen in Spanien aktiven Tierschützern geführt und nicht zuletzt Spanien selbst bereist, um sich ein vorurteilsfreies Bild von den Lebensbedingungen der Galgos in ihrem Ursprungsland zu machen. Bewusst vermeidet Dohrmann die Rassebezeichnung als „Galgo espanol“ für diese Windhunde, da die spanischen Jäger gerne Greyhounds, Podencos, bisweilen aber auch andere Jagd- oder Hütehundrassen mit dem Galgo espanol kreuzen, um eine Leistungssteigerung zur erreichen.

Die Struktur der Kapitel folgt den möglichen Lebensabschnitten eines Galgos in Spanien. Dohrmann beginnt mit der Schilderung seines Lebens beim Jäger, wo er für die Hasenjagd oder für den Jagdwettkampf eingesetzt wird. Auch den Haltungsbedingungen dieser als reine Arbeitshunde von den Jägern genutzten Galgos werden beschrieben, die daraus möglicherweise resultierenden Folgen – Sozialisierungsdefizite, fehlende Stubenreinheit, Ängste vor dem Alleinsein – erörtert und Trainingsvorschläge gemacht.

Viele Galgos landen als Streuner auf der Straße und müssen um ihr Überleben kämpfen, nachdem sie von ihren Besitzern für untauglich erklärt worden sind. Andere werden direkt in den spanischen Tötungsstationen abgegeben, wo sie unter unwürdigen Bedingungen bis zu ihrer Tötung ausharren müssen. Die aus diesen oftmals traumatischen Erfahrungen resultierenden Überlebensstrategien und Verhaltensweisen der Galgos können in ihrem neuen Leben als Familienhunde zu Schwierigkeiten führen, die gemeistert werden können, wie Dohrmann und Böhm zeigen.

Galgos brauchen viel Ruhe und verdösen einen Großteil des Tages. Um sie körperlich und kopfmäßig auszulasten und zu glücklichen Hunden zu machen, reicht es aber natürlich nicht, ihnen ein weiches Sofa zu bieten. In einem abschließenden Kapitel werden Beschäftigungsmöglichkeiten für den Galgo diskutiert, angefangen bei abwechslungsreichen Spaziergängen, über Windhundausläufe bis hin zu Kopf- und Nasenarbeit.

Das Buch ist sehr lesenswert, da es mit Klischees aufräumt und jedem Galgohalter ein differenzierteres Verständnis für seinen Hund, sein Vorleben und seine Verhaltensbesonderheiten bietet und Lösungswege bei möglicherweise auftretenden Problemen aufzeigt.

Die letzten Exemplare dieser Auflage sind derzeit noch im Buchhandel erhältlich. Das Buch kann aber auch über Frau Dr. Dohrmann direkt bestellt werden unter:

Dr. Karin Dohrmann
Galerie ars canis
Zaißinger Weg 18
85643 Steinhöring

Telefon: +49 (0) 8094 907271
E-Mail: karin.dohrmann@gmail.com
Internetpräsenz: www.windhunde-aus-spanien.com

Martin Usborne

Where hunting dogs rest

Heidelberg : Kehrer, 2015. 107 Seiten. ISBN 978-3-86828-595-6

Der britische Fotograf Martin Usborne legt mit diesem beeindruckenden Bildband ein Werk vor, das von einem künstlerischen und tierschützerischen Impuls gleichermaßen getragen wird. Ein Jahr reiste Usborne um die Welt, um Tieren in Not zu helfen. Dabei wurde er durch Zufall auf das Leiden der Galgos in Spanien aufmerksam und beschloss, ihnen ein Fotoprojekt zu widmen. Zu diesem Zweck suchte er zwei Auffangstationen in Andalusien auf: die Fundación Benjamín Mehnert in Sevilla und 112 Carlota Galgos in Málaga.  Die Galgos, die er dort kennenlernte, waren noch gezeichnet von den Entbehrungen ihres früheren Lebens, aber sie waren in Sicherheit. Sie waren noch verängstigt, aber man spürt ihre Sanftheit und ihre Kraft.

Usborne hat sich bewusst dagegen entschieden, reißerische Fotos zerschundener oder toter Galgos zu zeigen, so leicht dies auch gewesen wäre in einem Land, in dem jährlich weit über 50.000 Galgos von ihren Besitzern als unbrauchbar aussortiert und „weggeworfen“ werden. Sein Ziel war es vielmehr, das stille Leiden dieser sensiblen Hunde zu zeigen, zugleich aber ihre Schönheit, ihre Eleganz und ihren ursprünglichen Stolz. Aus dem Widerspruch zwischen der königlichen Ausstrahlung dieser Rasse und dem aktuellen Elend, aus dem viele Galgos jedes Jahr in Spanien durch Tierschützer gerettet werden, ziehen die Fotos ihre Bildgewalt.

Künstlerisch ließ Usborne sich inspirieren durch Diego Velázquez, einen der bedeutendsten Maler des goldenen Zeitalters Spaniens, dem 17. Jahrhundert, als auch die Galgos im Land noch in hohem Ansehen standen. Dunkle, tonige Farben und natürliches Licht sind charakteristisch für die Fotos. Die Hunde werden in ihrem gegenwärtigen Lebensumfeld, der Auffangstation, abgelichtet.

Ergänzt werden die Porträts der Galgos und einiger anderer Jagdhundrassen durch Landschaftsaufnahmen aus der Region. Die andalusische Landschaft ist von großer Schönheit, doch dies zu zeigen, reicht Usborne nicht. Er fotografierte Orte, an denen die Galgos von den Jägern ausgesetzt werden. Man sieht auf den Bildern keine Hunde, keine Menschen. Es sind sehr stille Aufnahmen, die jedoch tief berühren. Wenn man sich in sie versenkt, beginnen sie Geschichten zu erzählen vom Unglück der Galgos und von ihrem Überlebenswillen.

Die Fotos von Martin Usborne geben den porträtierten Galgos ihre Würde zurück und lassen hoffen, dass ihre Botschaft – eine Liebeserklärung an diese wundervolle Rasse, verbunden mit der Kritik an den Zucht- und Haltungsbedingungen vieler Galgos in Spanien – ein großes Publikum findet.

Angelika Henning

Leishmaniose beim Hund. Erkennen, verstehen, behandeln.

Denia : A. Henning, 2015. 131 Seiten. ISBN 978-150-588-588-0

Unter den Mittelmeerkrankheiten ist die Leishmaniose immer noch die bei weitem bedrohlichste. Im Internet sind viele, teils auch widersprüchliche Informationen über die canine Leishmaniose zu finden. Deshalb hat Angelika Henning dem Thema ein Buch gewidmet, das sich mit dieser Krankheit wissenschaftlich fundiert, aber für den Laien verständlich auseinandersetzt. Henning erläutert ausführlich die Entstehung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, gibt darüber hinaus Empfehlungen für die Ernährung und bezieht auch die Schädigung der Nieren – eine häufige Folge der Leishmanioseerkrankung – mit ein.

Die anderen, nicht minder ernst zu nehmenden Mittelmeerkrankheiten, die bei Hunden auftreten können – die Babesiose, Ehrlichiose, Hepatozoonose und Dirofilariose – werden von Henning ebenfalls in einem abschließenden Kapitel umrissen.

Hennings Ziel ist es, durch verständliche Fakten einer Panikmache, die im Internet bisweilen betrieben wird, entgegenzuwirken, ohne die ernsten Gefahren, die von einer Leishmanioseerkrankung ausgehen, zu verharmlosen. Dem Halter eines Leishmaniose positiven Hundes, der einen kompetenten Arzt an seiner Seite hat und selbst verantwortungsvoll mit der Krankheit umgeht, bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten, seinen Hund gesundheitlich stabil zu halten und durch regelmäßige Kontrollen der relevanten Blutwerte im Bedarfsfall frühzeitig medikamentös gegenzusteuern. Die große Gefahr einer chronischen Niereninsuffizienz, eine häufige Folgeerkrankung der Leishmaniose, kann durch Früherkennung zwar nicht gebannt, doch die Lebenserwartung deutlich gesteigert werden.

Das Buch empfiehlt sich als Lektüre für jene, die sich im Auslandstierschutz in südlichen Ländern engagieren und natürlich für Betroffene, die einen Leishmaniose positiven Hund an ihrer Seite haben. Nach dem Motto „Man sieht nur, was man weiß“ kann der verantwortungsvolle Halter eines Leishmaniose positiven Hundes mit Hilfe des informativen Ratgebers von Henning Risiken besser einschätzen und die Chance seines Hundes auf ein möglichst langes und beschwerdefreies Leben vergrößern.

Patricia B. McConnell 

Das andere Ende der Leine
Was unseren Umgang mit Hunden bestimmt

München/Zürich : Piper, 2013. 363 Seiten. ISBN 978-3-492-25325-3

Jeder Hundehalter macht sich Gedanken darüber, wie er seinen Hund erziehen kann. Doch wie sieht es mit dem anderen Ende der Leine aus, also mit uns, den Haltern der Hunde? Wie oft reflektieren wir eigentlich unser Verhalten gegenüber unseren Hunden? Zu selten, fand Patricia McConnell und schrieb dieses Buch. Erstmals im Jahr 2002 erschienen, ist das Buch inzwischen zum Klassiker geworden – und das zurecht. Patricia McConnell ist als promovierte Zoologin und Tierverhaltenstherapeutin ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet, doch schlägt sie keinen akademisch belehrenden Ton an, sondern vermittelt ihren Ausführungen durch Geschichten aus ihrem Berufsalltag und Erkenntnisse aus dem Bereich der Primatenforschung große Anschaulichkeit.

Mensch und Hund bilden eine auf vielfältige Weise kommunizierende und interagierende Lebenspartnerschaft, bei der es aber immer wieder zu Verständigungsproblemen kommt. Unsere Erziehungs- und Kommunikationsversuche mit unseren Hunden scheitern viel öfter, als wir glauben schlichtweg daran, dass wir unseren Hunden keine klaren Signale geben. Umgekehrt missverstehen auch wir allzu oft die Sprache unserer Hunde. Hier setzt Patricia McConnell an.

Es sind ganz fundamentale Situationen zwischen Hund und Halter, die McConnell in ihrem Buch beschreibt. So lernt der Leser viel über die Unterschiede menschlicher und hundlicher Körpersprache, über das Bedürfnis nach Berührung und Spiel, über unsere Neigung, Befehle zu wiederholen und dabei auch noch sprachlich auf vielfältige Weise zu variieren, aber auch über die Notwendigkeit, dem Hund hin und wieder auf freundliche, aber bestimmte Art Grenzen zu setzen, damit er lernt, mit Frustration umzugehen.

Auch dem wichtigen Themenkomplex rund um Sozialstatus, Dominanz und Rangordnung und dem aus der Verwechslung dieser drei Begriffe abgeleiteten Anspruch manch eines Hundehalters, seinem Hund unter Einsatz von körperlicher Gewalt – darunter ist der Leinenruck ebenso zu zählen wie Stöße in die Rippen und der berüchtigte „Alphawurf“ – oder mit gebrüllten Befehlen zeigen zu wollen, „wer der Herr im Haus ist“, widmet McConnell ein Kapitel. Sie warnt nachdrücklich davor, diese sich leider hartnäckig haltenden Methoden bei der Hundeerziehung anzuwenden, die lediglich dazu führen, dass Hunde Angst vor ihren Besitzern bekommen oder durch die Dauerangriffe ihrer Besitzer in eine Verteidigungsaggression verfallen. Man denke aktuell nur an die gewaltbejahenden Erziehungsmethoden eines Cesar Millan, die im Fernsehen ihr Publikum finden und es wird klar, wie wichtig Bücher wie das vorliegende immer noch sind.

McConnell mit ihrer auf positiver Verstärkung und körpersprachlichem Einsatz beruhenden Herangehensweise zeigt den richtigen Weg, wie man für seinen Hund zu einer wohlwollenden, souveränen Führungspersönlichkeit und zu einem Partner wird, mit dem das gemeinsame Leben Freude macht. Einander ohne viele Worte zu verstehen und mit Respekt zu begegnen, darin besteht das Fundament einer guten Hund-Mensch-Partnerschaft.