Tipps für die Eingewöhnung

verfasst von Dr. Karin Dohrmann (mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung)

 

Tipps für die Eingewöhnungszeit

Der Galgo kennt aus seinem Ursprungsland in der Regel kein Leben im Haus, keine geregelten Spaziergänge und ist meist nicht stubenrein. Er kennt keine Kommandos, keine 24-Stunden-Anwesenheit des Menschen und hat möglicherweise, wenn er sehr isoliert gehalten wurde, keine Kinder, andere Tiere oder gar andere Hunderassen kennengelernt. Sie müssen sich also mit der Aufnahme eines erwachsenen Galgos auf ein ähnlich umfangreiches Erziehungsprogramm einstellen wie für einen Welpen. Nur mit dem Unterschied, dass Sie erst ein Vertrauensverhältnis und eine gemeinsame Kommunikation mit dem Hund aufbauen müssen, während Welpen mit einer gesunden Sozialisierung dem Menschen meist von Anfang an bereitwillig folgen und von sich aus eine Kommunikation einfordern.

Alles, was ein Stadtleben ausmacht, ist dem Galgo unbekannt. Deshalb ist eine Vermittlung in die Stadt gewissermaßen ein Schock. Der Lärm, die Geschäftigkeit und Hektik sind dem Galgo völlig unbekannt und lösen nicht selten panische Fluchtversuche aus. Die meisten Galgos arrangieren sich jedoch sehr schnell mit ihrem neuen Umfeld. Man sollte jedoch den Hund die ersten zehn bis vierzehn Tage erst einmal ankommen lassen und ihn zunächst mit seiner neuen Familie, seinem Zuhause und der nächsten Umgebung vertraut machen. Der Charakter und das Vorleben Ihres Galgos bestimmen den Rhythmus, in dem Sie Schritt für Schritt den Aktionsradius mit ihm erweitern können. Egal, ob er aus einer verantwortungsvollen Zucht stammt, wo er gute Kontakte mit dem Menschen und der Außenwelt hatte, einem engagierten Tierheim, das ihn mit anderen Hunden sozialisiert und ihm einen positiven Umgang zwischen Mensch und Tier gezeigt hat oder aus völlig isolierter Haltung, in der er nichts kennenlernen durfte. Gehen Sie in der ersten Zeit nur kleine Runden rund um Ihr Zuhause, damit der Hund seine neue Umgebung kennenlernen und aufnehmen kann. Überfordern Sie ihn nicht, indem Sie alle Freunde einladen, um ihn vorzustellen oder ihn gleich ins Büro oder Restaurant mitnehmen.

Stress, Ortswechsel und Futterumstellung können auch dazu führen, dass der Hund Magen-Darm-Probleme bekommt und sein Geschäft möglicherweise in der Wohnung erledigt. Stellen Sie sich daher mit der Aufnahme Ihres Galgos auch einige Tage auf stressbedingte Verdauungsprobleme ein. Geben Sie Ihrem Hund, vor allem wenn er krank ist, mehrmals am Tag die Möglichkeit, sich draußen zu lösen!

 

I. Vorbereitung zu Hause

  • Machen Sie ihren Garten ausbruchsicher, denn Galgos können sich auch durch schmale Öffnungen durchschlängeln oder unter dem Gartentor durchkrabbeln. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Galgo zu den Springern oder Kletterern gehört. Falls ja, kann es notwendig sein, Ihr Grundstück mit einem 1,80 m hohen Zaun zu sichern. Bei panischen und sehr ängstlichen Hunden sowie langjährigen Streunern ist der hohe Zaun Pflicht!
     
  • Räumen Sie aus der Wohnung alle wertvollen Dinge wie Teppiche, Schuhe, Felldecken oder Taschen weg, denn Ihr Galgo kann unter Stress dazu tendieren, sich an Gegenständen ruhig zu kauen. Besorgen Sie Kauknochen, die Sie anbieten können, wenn Ihr Hund Tendenzen zum Nagen zeigt. Möglicherweise ist er nicht stubenrein und Ihre Teppiche sind gefährdet. 
     
  • Besorgen Sie ein weich gepolstertes Hundebett. Die Haut des Galgo ist an den Gelenken sehr empfindlich und neigt bei harten Schlafgelegenheiten zur Liegeschwielenbildung. Weisen Sie Ihrem Galgo einen Schlafplatz in einer ruhigen Ecke zu. Stellen Sie sein Bett nicht in den Flur oder in Räume, durch die man andauernd durchlaufen muss.
     
  • Besorgen Sie ein größenverstellbares Brustgeschirr, eine Leine (2 m), eine Schleppleine (5-10 m) und eine weiche und breite Halsung, die den langen empfindlichen Hals vor punktuellen Druck bei gespannter Leine schützt. Erkundigen Sie sich nach Windhundgeschirren, die ein längeres Rückenteil aufweisen und hinter dem tiefen Brustkorb abschließen, denn manche Galgo winden sich auch aus üblichen Brustgeschirren heraus, die direkt hinter der Schulter enden.
     
  • Der Galgo kommt in der Regel kastriert, geimpft, entfloht und entwurmt zu Ihnen. Dennoch kann er ungewollte Gäste beherbergen. Ersparen Sie ihm den Stress des Tierarztbesuches in den Anfangstagen. Holen Sie Entwurmungs- und Flohmittel vom Tierarzt ab. Die weibliche Galga wiegt zwischen 18 – 25 kg, männliche Galgos zwischen 22 – 30 kg. Manche Galgos tragen ein Flohhalsband. Dieses können Sie in Ihren Staubsaugerbeutel legen, so dass alle angesaugten Flöhe und Eier dort abgetötet werden.

 

II. Vorbereitung zur Abholung

  • Nehmen Sie zur Abholung die Halsung, das Geschirr, eine Leine und eine zweite Leine mit. Diese brauchen Sie zur Sicherung des Hundes im Auto.
     
  • Wenn Sie Ihren Hund mit dem Auto abholen, sichern Sie den Hund im Auto, bevor Sie wieder die Türe öffnen. Es ist schon sehr oft passiert, dass die Hunde, zuhause angekommen, aus der nur einen Spalt geöffneten Türe herausgeschossen sind und wochenlang verschwunden waren. Fahren Sie daher immer mit einem im Auto gesicherten Hund los.
     
  • Besonders ängstliche Hunde sollten nur in der Box transportiert werden und erst im gesicherten Garten oder in der Wohnung herausgelassen werden.
     
  • Nehmen Sie einen Napf und Wasser mit.

 

III. Die ersten Tage im neuen Zuhause

  • Lassen Sie Ihren Hund in Ruhe die Wohnung inspizieren. Lassen Sie ihm dabei die Zeit und Möglichkeit, Ihnen oder Ihren Familienmitgliedern ausweichen zu können, wenn ihn die neue Situation überfordert.
     
  • Baden Sie Ihren Galgo nicht gleich am ersten Tag. Viele Hunde kommen mit dem nicht ganz so angenehmen Geruch des Tierheims an. Die Tierschützer vor Ort baden die Hunde vor der Reise nicht, um ihnen jeden weiteren Stress zu ersparen. Seien auch Sie so geduldig und ertragen, je nach Charakterstärke des Hundes, diesen Geruch noch einige Tage. Manche Tierheime tragen noch Spot-On-Produkte auf, deren Wirkung sie mit einem Bad auch sofort eliminieren würden.
     
  • Nehmen Sie ihn nicht zu eng in den Arm. Besonders Kinder neigen zu diesem liebevollen Verhalten, das einen ängstlichen Hund äußerst bedrängt.
     
  • Sprechen Sie mit heller Stimme und aufforderndem Tonfall mit Ihrem Galgo. Verfallen Sie nicht in einen mitleidigen Ton, der die Ängste des Hundes verstärkt und den er sehr schnell, ohne dass Sie es merken, mit bestimmten Situationen, Menschen, Tieren oder Gegenständen verbindet.
     
  • Benutzten Sie weiche, breite Halsungen, die Sie beim Spazierengehen auch eng anlegen können. In keinem Fall Würger oder andere Schlingenhalsungen anlegen, die sich im Notfall unkontrolliert verengen und die Panik des Hundes noch verstärken. Galgos, die Verletzungen am Hals erfahren haben, sollten grundsätzlich nur mit dem Brustgeschirr geführt werden. Aber auch bei entspannten Galgos hat sich die Nutzung des Brustgeschirrs bewährt, da es in Schrecksituationen oder bei Sichtung von Wild zu plötzlichen Ausfallbewegungen kommen kann, die dann zu Verletzungen im Halswirbelbereich führen können.
     
  • Ängstliche Hunde bitte nur mit Halsband und Brustgeschirr spazieren führen, da diese Hunde sich mit ihren schmalen Köpfen in Paniksituationen oder aus Jagdpassion schnell aus dem Halsband herauswinden. Dazu ist es angeraten, sich die Leine um den Körper zu legen, da ihnen der Hund so nicht die Leine aus der Hand reißen kann. Es ist schon vorgekommen, dass Halter auf Eis gestürzt sind und sich der Hund in Panik losriss und vors Auto lief. Mit der Leine am Halsband kann der Hund geführt werden, mit der Leine am Geschirr ist er am Körper des Hundführers gesichert.
     
  • Ängstliche Hunde bitte auch im gesicherten Auslauf mit Brustgeschirr und kurzer Schleppleine (3-5 m) laufen lassen. Diese können Sie schleifen lassen, ohne sie festzuhalten. So haben Sie die Möglichkeit, die Leine in etwas Abstand vom Hund wieder aufnehmen zu können. Dann können Sie ihn langsam zu sich kommen lassen und ihn an die kurze Leine legen. Die kurze Schleppleine nutzen Sie nur in Absprache mit anderen Nutzern des Auslaufs, denn eine Schleppleine kann ein großes Verletzungspotential für andere Hunde darstellen!
     
  • Lassen Sie Ihren Galgo in der Anfangszeit nicht von der Leine. Machen Sie am Anfang viele kurze Spaziergänge, da diese Hunde oft untrainiert und keine regelmäßigen Spazierzeiten zum Lösen gewöhnt sind.
     
  • Lassen Sie Ihren Hund, wenn er Angst vor Orten, Personen, Tieren und Dingen zeigt, ein wenig Zeit, die Situation zu betrachten. Vielleicht geht er nach kurzer Überlegung mit Ihnen ruhig daran vorbei. Wenn nicht, dann gehen Sie um das „vermeidliche“ Hindernis in einem Bogen herum. Bedenken Sie: Ihre Ruhe und Gelassenheit sind seine Stütze in dieser neue Welt!
     
  • Überfordern Sie Ihren Hund nicht mit Umweltreizen. Gehen Sie zunächst immer die gleichen Wege, damit Ihr Hund sein neues Umfeld kennenlernen kann. Vermeiden Sie anfangs Reisen, Besuche, belebte Orte usw.
     
  • Lassen Sie keine Verhaltensweisen zu, die Sie auch in Zukunft nicht von Ihrem Galgo wünschen. Oft ist zu lesen, dass der Galgo ein Sichtjäger ist und daher bevorzugt auf erhöhten Plätzen ruhen möchte. Das gehört in den Bereich der modernen Sagen. In Spanien liegt er entweder auf Beton oder im Tierheim auf Decken. Wie jeder Hund weiß er Komfort zu schätzen und sucht Ihre Nähe und wird daher versuchen, es sich auf dem Sofa oder Ihrem Bett gemütlich zu machen. Natürlich müssen Sie ihm dieses nicht zur Verfügung stellen, wenn Sie es nicht möchten. Der Galgo ist kein genetisch angelegter Couch-Potato! Da aber Kontaktliegen und Schmusen die Bindung fördern, sollten Sie sich und Ihrem Galgo täglich einige Kuscheleinheiten gönnen. Das kann ebenso gut auf einem weichen Teppich oder einer Decke auf dem Boden geschehen. Lassen Sie aber Ihren Galgo von sich aus zu Ihnen kommen und halten Sie ihn nicht fest.