Campanilla

Campanilla

Geschlecht:Hündin, kastriert
wartet in:Deutschland, Auffangstation
wartet seit:seit Nov. 2018 (in Spanien seit 2011 - 7 Jahre!)
geboren am:2011
Größe:ca. 60 cm
Mittelmeerkrankheiten:negativ
Patenschaft:Campanilla würde sich über eine Patenschaft freuen.
Paten:V. Kruppa, Iris K., Karin D., Sonja G., Sabine Forster
Besonderheit:schüchtern
Adoptionsvoraussetzung: 
letztes Update:29.05.2019

Was wir über Campanilla erzählen können ...


Oktober 2018

Campanilla (span.: „Glöckchen“) wurde mit zwei weiteren Geschwistern im Alter von nur vier Wochen gefunden - gerade noch rechtzeitig, denn die Kleinen liefen Gefahr, in einen Brunnen zu fallen. Das ist nun schon sieben Jahre her. Campanillas Schwester hat inzwischen ein Zuhause in Deutschland gefunden, aber sie und ihr Bruder Batman warteten seitdem im Tierheim in Socuéllamos bisher vergeblich auf ihre Menschen.

Ein Tierheim ist nicht gerade ein idealer Ort für Welpen, um dort aufzuwachen. Dazu kommt, dass Campanilla und ihre Geschwister zu einem viel zu frühen Zeitpunkt von ihrer Mutter getrennt worden und auf sich allein gestellt waren. Angesichts der großen Zahl der im Tierheim lebenden Hunde und der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit sind die Welpen trotz der Bemühungen der vor Ort tätigen Tierschützer mehr oder weniger sich selbst überlassen aufgewachsen. Obwohl sie keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, konnte keine angemessene Sozialisierung stattfinden. Darum sind die Hunde den Menschen gegenüber sehr scheu geblieben.

Campanilla ist etwas aufgeschlossener als ihr Bruder Batman und hat mit der Unterstützung ihres Pflegers sogar ein Fotoshooting gemeistert. Das macht deutlich, dass sie sich in der Obhut eines Menschen, dem sie vertraut, sehr wohl auch ihr unbekannten Herausforderungen stellen kann.

Campanilla sollte ihre zweite Lebenshälfte nicht in einem Tierheim verbringen müssen, sondern in einer liebe- und verständnisvollen Familie, so wie sie es verdient hat. Irgendwo da draußen werden sie doch sein, ihre Menschen, und wir hoffen, dass wir ihr auf diesem Weg helfen können, sie zu finden.
 

Update 25.11.2018

Gestern sind Batman und seine Schwester Campanilla in Deutschland angekommen. Das war für die beiden ausgesprochen niedlichen Galgomixe aus Socuéllamos ein äußerst schwieriger Schritt in ihrem Leben. Zum ersten Mal seit sieben Jahren haben sie das Tierheim verlassen, das sie bis dahin als ihr Zuhause angesehen haben, wurden dann auf eine lange Reise geschickt und wussten nicht, was nun mit ihnen geschieht. Bei ihrer Ankunft waren sie entsprechend zutiefst verstört und voller Angst. Wie die Geschwister sich dann in ihrer Panik aneinander festhalten, geht sehr ans Herz; sie kleben aneinander, brauchen momentan einander und einer kann ohne den anderen noch nicht sein. Das ist kein Wunder, denn von klein auf waren sie zusammen und haben sich in den letzten sieben Jahren denselben Zwinger geteilt. Als Campanilla in ihrer Panik unter sich machte, hat Batman sich um sie gekümmert, sie saubergeleckt. Im Galgotaxi auf ihrer Fahrt zur Auffangstation lagen sie eng beisammen, aneinandergedrückt. Während Batman es schließlich schaffte, sein Köpfchen auf Campanillas Allerwertesten abzulegen und erschöpft ein bisschen wegdöste, schaute die Kleine mit weit aufgerissenen Augen aus dem Fenster ihres Taxis und sah, wie die große Welt dort draußen an ihr vorbeiflog. In den zweieinhalb Stunden, die die Fahrt dauerte, blieb sie auf der Hut, konnte sich nicht entspannen. Auch nach Ankunft in ihrem neuen – hoffentlich – Interims-Zuhause, klebten sie aneinander, suchten sich schnell ein sicheres Bettchen in der Hütte, in dem sie aneinandergedrückt die Nacht verbrachten.

Nun lassen wir die beiden erst einmal in Ruhe ankommen, sich in ihrer neuen, nicht mehr betonierten, dafür aber mit Heizung versehenen Umgebung zurechtfinden, sich an die neuen Routinen gewöhnen und dann hoffen wir, dass sie ihren Schrecken allmählich ablegen können. Aber man muss sich darauf einstellen, dass das dauern wird, denn das Leben der beiden ohnehin ängstlichen Geschwister ist über Nacht aus den Fugen geraten. Wir hoffen, dass wir es für sie nun zum Besseren wenden können, aber sie selbst werden das im Augenblick noch nicht in dieser Weise wahrnehmen können. Was wir sicher sagen können: das Verhalten der beiden und ihr Umgang miteinander berührt zutiefst und die Schreiberin dieses Updates hat einen Kloß im Hals, während sie ihre Geschichte erzählt.
 

Update 27.01.2019

Neue Fotos von Campanilla:
 

Update 10.02.2019

Die Fotografen waren da. Neue Fotos von Campanilla:
 

Update 29.05.2019

Campanilla, hier kurz Nilly genannt, hat etwas mehr Zeit gebraucht als ihr Bruder Batman, um aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen. Saß sie anfangs viel in ihrem Bett in der dunkelsten Ecke des Blockhauses, das sie sich als ihre sichere Höhle auserkoren hatte, so fühlt sie sich inzwischen sicher genug, sich freier zu bewegen. Nilly genießt es sichtlich, viel Zeit draußen im Gehege zu verbringen und dem Treiben der anderen zuzuschauen. Bellen hören wir sie sehr selten. Selbst wenn Besuch in unsere Auffangstation kommt, ist das für sie kein Anlass mehr, sich in ihrer Höhle unsichtbar zu machen, sondern sie schaut neugierig, wenn auch mit einem gebührenden Sicherheitsabstand, wer denn da gekommen ist.

Kommt eine ihrer Bezugspersonen in Sicht, kennt Nilly kein Halten vor Freude. Da flitzt sie freudig erregt herbei, um ihren Menschen zu begrüßen und wenn man sich dann Zeit für sie nimmt, um sie ausgiebig zu kraulen, ist Nilly selig. Sie saugt jede Zärtlichkeit ihrer Vertrauenspersonen in sich auf und ist dabei noch verschmuster und liebebedürftiger als ihr Bruder. Wenn sie einmal vertraut, hat diese scheue Hündin so viel Liebe zu geben! Das berührt uns immer wieder tief.

Nilly lässt sich auch von Fremden streicheln, wenn sie in der Blockhütte in ihrem Bettchen liegt, aber Freude hat sie daran noch nicht. Zu groß ist noch ihr Misstrauen. Mit ihr wenig vertrauten Menschen lassen wir sie auch noch nicht Gassi gehen; dazu ist es noch zu früh.

Spaziergänge mit einer ihrer Bezugspersonen genießt Nilly hingegen sehr und kann diese Ausflüge auch richtig genießen. Voraussetzung dafür ist, dass ein vertrauter Mensch und ein souveräner Hundepartner ihr Halt geben. Sie weicht während des Spaziergangs nicht von der Seite ihres Menschen und läuft immer dicht an dessen Bein. So fühlt sie sich sicher und beschützt vor allen Widrigkeiten der Welt. Nilly geht stets an locker durchhängender Leine und achtet sehr auf jede Richtungs- oder Tempoänderung. Bei Wildsichtung bleibt sie entspannt und zeigt keinen Jagdtrieb.

Wenn einmal doch etwas Unvorhergesehenes passiert, was Nilly ängstigt – kürzlich ein schnell sich nähernder Motorradfahrer – dann kann sie momentan noch in Panik geraten und versuchen, die Leine durchzubeißen, um flüchten zu können. Anfangs war ihr erster Impuls in solchen sie überfordernden Situationen, dann auf den Arm ihres Menschen springen zu wollen – vielleicht eine Erinnerung aus frühester Kindheit, da die Welpen ja die ersten Lebenswochen nach ihrer Rettung in einer Familie leben durften, bevor sie ins Tierheim kamen. In derartigen Momenten muss man sich vor Nilly hocken und sie beruhigen und festhalten, dann ebbt ihre Angst schnell wieder ab. Ein ruhiges, ländliches Umfeld wäre für Nillys zukünftiges Leben also unabdingbar. Ein Leben in der Stadt würde sie überfordern.

Mit den anderen Galgos in ihrer Gruppe versteht Nilly sich gut, sucht deren Nähe, aber nicht unbedingt Körperkontakt. Ein besonderes Band verbindet sie natürlich immer noch mit ihrem Bruder Batman, auch wenn sich die Geschwister inzwischen voneinander abgenabelt haben und eigenständiger geworden sind. Aber auch Gob ist ein wichtiger Partner für Nilly geworden, der sie im Auslauf oft zum Rennen motiviert mit seiner lustigen Art.

Beim Füttern brauchte Nilly bisher absolute Ruhe. Deshalb bekommt sie ihr Futter im Blockhaus bei geschlossener Tür, während die anderen lieber draußen ihre Näpfe leeren. So kann sie ganz entspannt ihr Futter zu sich nehmen. Aber in den letzten Tagen wird sie auch hier lockerer und kommt vor die Tür, wenn das Futter draußen verteilt wird.

In jeder Hinsicht merkt man Nilly nun an, dass die Angst nicht mehr das sie beherrschende Lebensgefühl ist. Es gibt inzwischen viele Dinge, die ihr Freude bereiten und das zeigt sie uns auch deutlich. Man muss nur ein Gespür für diese sensible, überaus liebebedürftige Hündin haben, dann ist das Miteinander mit ihr einfach nur beglückend.

Nilly wird anfangs etwas Zeit brauchen, um sich ihren neuen Menschen anzuschließen und da darf man sie auch nicht zu ihrem Glück zwingen wollen. Sie braucht Menschen, die Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, Menschen, hinter denen sie sich auch einmal verstecken kann und die merken, wann sie schutzbedürftig ist und entsprechend auf sie eingehen. Auch ein sicherer Hundepartner ist wichtig, damit Nilly sich in ihrem neuen Leben zurechtfindet. Ein Garten wäre schön, da Spaziergänge in der ersten Zeit vielleicht nicht möglich sein werden, bis genügend Vertrauen aufgebaut ist, aber auch, weil Nilly es liebt, draußen zu sein.

Nach sieben Jahren des Eingesperrtseins wünschen wir Nilly ein kleines Paradies auf Erden, das die verlorenen Jahre aufwiegt durch doppeltes Glück und gegenseitige Liebe.
 

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Ansprechpartner:Bianca Seefeld
Email:bianca.seefeld@galgorettung-fs.de
Tel.:09173 79916
Ort:91177 Thalmässing